Schmieden für den Frieden

Ein internationales Projekt für den Frieden in der Welt von den Initiatoren Alfred Bullermann, Heinz Hoenig und Tom Carstens

Friedensnägel für Bayern

70 Jahre nach Kriegsende werden weltweit die politischen Spannungen deutlich stärker, die Gefahr eines drohenden kalten Krieges lauert. In diesen schwierigen politischen Zeiten ist es wichtig, wenn Menschen Zeichen setzen. Der westfälische Schmied Alfred Bullermann und der bekannte deutsche Schauspieler Heinz Hoenig haben aus einer alten Handwerkstradition eine symbolische Aktion gemacht. Sie schmieden mit Prominenten „Friedensnägel“ und schlagen sie als Zeichen in Bäume. Ihr Wunsch: Zunftkollegen aus vielen verschiedenen Ländern sollen quasi nach und nach „die Welt symbolisch wieder zusammen schmieden“. (Von Andrea Weber)

Heuer am 8. Mai, dem Gedenktag der Befreiung und Ende des Zweiten Weltkrieges, startete die Aktion in Westfalen. Im vergangenen Juli kamen die Schauspielerin und Kabarettistin Marianne Sägebrecht und der Filmregisseur Joseph Vilsmaier zu dem Kunstschmied Tom Carstens nach Degerndorf, um die ersten beiden Friedensnägel für Bayern zu formen. 
Die wichtigste Friedensperson Bayerns
Für Heinz Hoenig ist Marianne Sägebrecht „die wichtigste Friedensperson Bayerns“. Deshalb durfte sie als erstes zur Tat schreiten. Mutig band sich die Starnbergerin die grob-lederne Schmied-Schürze über ihr geblümtes Sommerkleid und nahm den schweren Hammer in beide Hände. Im Takt eines rhythmischen Dreiklangs formte sie mit den beiden Schmieden Carstens und Bullermann den ersten Friedensnagel, und schlug den Friedensengel mit einem Stempel in den Nagelkopf.  Schauspieler Heinz Hoenig, ein gelernter Schlosser, stand seiner Kollegin mit Rat und Tat zur Seite. Danach stemmte auch Joseph Vilsmaier den schweren Hammer in die Höhe und ließ ihn mit Schwung auf den Nagelkopf preschen. Ohrenbetäubend war der Lärm, laut sollte der symbolische Akt auch sein. 
Weltweit ein Zeichen setzen
Hufnägel in Holzpfähle schlagen hat Tradition in der Schmiedezunft. Früher nutzten die Gesellen diesen Akt als eine Art Kommunikationsmittel. In diesem Sinne, quasi auch um aufmerksam zu machen, werden bei jeder Aktion zusätzlich drei  Nägel geschmiedet, die zugunsten eines Friedensprojekts versteigert werden. „Es ist als ein Langzeitprojekt gedacht, das von Deutschland aus sich über Europa weltweit ausbreiten soll“, erklärt Hoenig. In einem zentralen Büro in Deutschland werden alle Nägel nummeriert und dokumentiert, um schließlich in einem Buch- und Filmprojekt aufzeigen zu können, wo diese Nägel in Bäumen geschlagen auf der Welt ein Zeichen setzen. 
 
Zum „Frieden schmieden“ kamen auch Freunde der Protagonisten. Unter ihnen der schwarze Sänger und Schauspieler Albert C. Humphrey aus München, der spontan im Takt von Hammer und Amboss das Lied „Tell him I’m gone“ von Johnny Cash anstimmte, ein berührender Song, der eindringlich beschreibt wie ein Sklave den Hammer zurück gibt, weil er nicht mehr Sklave sein möchte. Das war ein emotionaler Moment, der an der 3500 Grad heißen Esse, sicher bei manchem Zuhörer einen kalten Schauer hinterließ. 
Fotos: Andrea Weber